Juncheit, Schönau und Schönforst

Neben den Prägungen der Stadt Aachen gibt es noch weitere Prägungen von Münzstätten im Aachener Reich. Es sind dies die Münzen von Juncheit, Schönau und Schönforst.

Krumbach hat die Münzen von Juncheit den Aachener Prägungen thematisch zugeordnet (Kr 86.73 bis 86.74), da sie in vielen Merkmalen miteinander übereinstimmen, und als Tournosegroschen eine Büste von Karl dem Großen zeigen. Münzrechtlich sind die "Juncheitsgroschen" jedoch als eigenständig anzusehen wie die Münzen von Schönau und Schönforst.

Juncheit

 

Juncheit war ein Hofgut, auch Juncheitsmühle genannt, außerhalb von Aachen.

Die "Juncheitsgroschen" sind die ersten europäischen Münzen, die ein Prägedatum in der Umschrift aufweisen.

Bekannt sind Tournosen aus den Prägejahren 1372, 1373, 1374, 1375 und 1376. Münzen des Prägejahrs 1372 sind in historischen Quellen dokumentiert, Belegexemplare sind jedoch nicht bekannt. Für das Jahr 1373 ist eine Münze im Aachener Münzkabinett existent.  Die Prägejahre 1374 und 1375 sind mit vielen Varianten vertreten, daraus läßt sich herleiten, daß diese Münzen mutmaßlich in einer beträchtlichen Anzahl geprägt worden sind. Der Prägejahrgang 1376 ist ebenfalls nur durch ein Belegexemplar aus einem Fund ( Raeren 1970 ) bekannt.

Wegen der Besonderheit des ersten Prägedatums auf europäischen Münzen sind die "Juncheitsgroschen" ein besonderes Sammelobjekt.

Folglich zählen sie neben seltenen Aachener Goldmünzen und Talern zu den teuersten Münzen Aachener Prägung.

 

Prägedatum 1374

Kr 86.74.1, verschiedene Prägestempel



Prägedatum 1374

Kr 86.74.2,

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Prägedatum 1375

Kr 86.75.1

 

Prägedatum 1375

Kr 86.75. nicht editiert: "E" in MON ETA eckig wie bei den Prägungen aus 1374

Schönau und Schönforst: Geschichtliche Hintergründe


Das Gebiet um Schönau wurde 1244 von Kaiser Friedrich II. an Heinrich von Aachen als Eigentum übertragen. Henri d´Aix, genannt „Sconawa", oder eben Heinrich von Aachen genannt "Schönauer", ist der erste um das Jahr 1240 urkundlich erwähnte "Stammvater" der Familie „von Schönau“, die sich nach dem Erwerb der Burg und Herrschaft Schönforst in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts, auch „von Schönforst“ nannten.

Heinrich war zu diesem Zeitpunkt Schatzkämmerer von Aachen, sein Bruder Wilhelm III Vogt von Aachen. Beide stammen in direkter Linie von Theodericus de Aquis ( Dietrich von Aachen ) - vermutlich aus dem Geschlecht derer von Limburg-Haesdal - ab, dem im Jahr 1128 als erstem das Amt des Aachener Vogts erblich übertragen worden war.

Im Jahr 1244 gelang es Wilhelm III und Heinrich als Abgesandte der Aachener Bürgerschaft am Hofe Kaiser Friedrichs II in Pisa, daß eine Urkunde mit wichtigen Aachener Privilegien aus der Zeit Karls des Großen bestätigt wurde. In der Folge erhielt Heinrich sein Lehen „Schönaue“ im Norden Aachens hinter dem Laurensberg zum Besitz ( im heutigen Stadtteil Richterich ). 1245 wurde er zudem zum Ritter geschlagen, bekam das Münz- und Braurecht und nannte sich Herr von Schönau.

Im Jahr 1302 wurde Gerardus de Schonawen ( Gerard von Schönau ) für seine Herrschaft Reichsfreiheit verliehen und das Münzrecht bestätigt.

Zum mächtigsten und erfolgreichsten Schönauer wurde Reinhard I, ein Urenkel von Heinrich von Aachen, der zunächst als Diplomat für Lütticher Bischöfe, den Erzbischof von Köln, für König Johann von Böhmen und dessen Sohn Kaiser Karl IV sowie dessen Halbbruder Wenzel, Herzog von Brabant, Limburg und Luxemburg tätig war. Durch großes kaufmännisches Geschick wurde er Finanzier und damit Gläubiger vieler bedeutender Männer des Reiches. Reinhard I erwarb zahlreiche Besitzungen und Herrschaften sowie Pfandschaften und Lehen von Köln über Aachen, Maastricht, Lüttich bis nach Brüssel. So erwarb er auch die Burg Schönforst ( im heutigen Stadtteil Aachen-Forst ) und nannte sich als erster des Geschlechtes zusätzlich Herr von Schönforst ( „Schoonvorst“ ) . Er nutzte als erster das Münzrecht und begann mit der Münzprägung um das Jahr 1350. Im Jahr 1371 verlor er jedoch erheblich an Ehre und Ansehen durch seine Beteiligung an der Schlacht von Baesweiler, bei der er auf der Seite des Herzogs von Brabant gegen den Herzog von Jülich eine empfindliche Niederlage erlitt.

Sein Sohn Johann I von Schönforst hatte um 1380 das Amt der Vogtei und auch die Meierei von Aachen inne, gefolgt von seinem Bruder Reinhard II von Schönforst. Von Reinhard II sind zahlreiche Münzprägungen bekannt. Von ganz besonderer Bedeutung sind die unter ihm im Jahr 1372 geprägten Groschen, die wie die im selben Jahr geprägten Groschen der Herrschaft Juncheit als erste europäische Münzen das Prägejahr in der Umschrift enthalten. Diese Groschen zeigen das Wappen von Schönforst mit den Haesdalischen neun Kugeln, die auf das Geschlecht Limburg-Haesdal hinweisen. Nach Niederlage in kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Herzog von Jülich verlor er im Jahr 1396 das Amt des Aachener Vogts und seine Stammburg Schönforst sowie seinen Titel als Herr von Schönforst an den Herzog von Jülich.

Die Burg Schönforst hatte in der Folge zahlreiche Besitzer und war bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts zur Ruine verfallen. Ab ca. 1850 wurde die Anlage als Steinbruch genutzt und 1884 endgültig abgetragen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren noch die ehemaligen Wassergräben vorhanden, doch auf dem Gelände, das ab 1906 der Stadt Aachen gehörte, ist heutzutage nichts mehr von der einstigen Burg zu sehen.

Der Titel "von Schönau" war durch Vererbung des Besitzes in weiblicher Linie bereits 1359 verloren gegangen und gelangte durch weitere Vererbungen über „von Millendonk“ und „von Blanche“ an das Geschlecht „von Broich“ mit dem letzten Besitzer Carl Arnold Maria Freiherr von Broich ( bis 1906 ). Heute gehört Schloß Schönau der Stadt Aachen und beherbergt ein Restaurant.

 

modifiziert nach: Florian Gläser: Schönau - Schönforst. Eine Studie zur Geschichte des rheinisch-maasländischen Adels im Spätmittelalter.

Dissertation an der Universität Trier. Trier 1999  


Schönforst

 

Aus Schönforst sind Tournosen bekannt, sowohl mit wie auch ohne Prägedatum. Wie die Juncheitsgroschen und die ersten Aachener Tournosen zählen sie zu den frühesten Münzen mit Prägedatum, in der englischsprachigen Literatur bekannt als "early dated coins".

 

Reinhard I , um 1310 - 1376

( Reynardus de Sconeouve oder Reynerius de Sconowen )

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Umschrift: ...VORST'*

Umschrift: ...VORSTE

Umschrift: ...VORSTE'*

Reinhard II ( Renaud II ), 1369 - 1396

Groschen ( Tournosen ) ohne Prägedatum, also vor 1372

deutlich verschiedene Prägestempel, Abweichungen in der Umschrift

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Reinhard II ( Renaud II ), 1369 - 1396

Groschen ( Tournosen ) mit Prägedatum 1390.

Aus diesem Jahrgang sind nur wenige Münzen dokumentiert.

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Reinhard II ( Renaud II ), 1369 - 1396

Groschen ( Tournosen ) mit Prägedatum 1391.

Die zahlreichen Prägestempel deuten auf eine hohe Anzahl geprägter Münzen dieses Jahrgangs 1391.

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Reinhard II ( Renaud II ), 1369 - 1396

Groschen ( Tournosen ) mit Prägedatum 1393.

Aus diesem Jahrgang sind nur 3 Münzen dokumentiert.

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Konrad II van Schoonvorst, 1409 - 1453

Dubbele Mijt  (…NETA.NOVA..BIh) “F”

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Konrad II van Schoonvorst, 1409-1453

nicht editiert bei Brûlé, Menadier, Lucas … Unikum?

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Jan van Heinsberg - Jülich, Pfandherr 1422 - 1433

Doppelter Silbergroschen

IOHANNES DE IVULIA HENSB'LO'

+MONET  A NOVA  SCOEN  VORST

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Konrad II van Schoonvorst, 1409-1453

Tournose 1442

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Konrad II van Schoonvorst, 1409-1453

Tournose 1444

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Schönau

 

Schönau ( Schönaw ) war wie Schönforst eine Herrschaft vor den Toren Aachens. Menadier berichtet für Schönau von einem Taler, der seinerzeit dem Vicomte de Jonghe gehörte, aber nur noch als Abbildung aus Menadier's Buch bekannt ist.

Bekannt und häufiger sind 4 Heller Münzen aus Schönau. Die Nutzung dieser 4 Heller war jedoch im Gebiet der Stadt Aachen unter Strafe gestellt.

Es sind zwei verschiedene Prägungen bekannt, die sich an der Stellung der Buchstaben zueinander sowie der Wertzahl IIII unterscheiden lassen.

 

Theoderich von Millendonck ( 1525 - 1549 )

Taler Schönau 1542 ( nach Menadier ), Kr 501

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Johann Gottfried von Blanche ( 1721 - 1758 )

4 Heller Schönau 1755, Kr 502.1

Johann Gottfried von Blanche ( 1721 - 1758 )

4 Heller Schönau 1755, Kr 502.2